Wie verläuft eine Psychotherapie?


 

 

Erstgespräch


Nach einem telefonischen Erstkontakt vereinbaren Sie einen Termin mit mir. In meiner Praxis  findet ein kostenloses Erstgespräch statt.
In diesem ersten Gespräch erzählen Sie über Ihre Beweggründe für eine Psychotherapie und Ihre aktuelle Lebenssituation, es dient aber auch zum gegenseitigen Kennenlernen.

Im Verlauf des Erstgesprächs werden folgende Punkte geklärt:

  • die Methode
  • das sogenannte Setting der Therapie (Einzeltherapie oder Gruppentherapie)
  • das Ziel der Therapie (Motivation und Erwartung)
  • die Häufigkeit der Sitzungen
  • eine ungefähre Einschätzung der voraussichtlichen Therapiedauer
  • die Höhe des Honorars und der Zahlungsmodus
  • die Möglichkeit einer Bezuschussung bzw. Kostenübernahme durch die Krankenkasse
  • Absage- und Urlaubsregelungen

Der weitere Verlauf:

Die Dauer einer Psychotherapie orientiert sich an der Schwere der Erkrankung sowie am Therapieziel bzw. den Therapiezielen.

Die Häufigkeit der Sitzungen kann je nach Methode und Problemlage sehr individuell gehalten sein. Üblicherweise findet eine Therapiestunde wöchentlich statt, nach Besserung der Befindlichkeit dann im 14-tägigen Rhythmus.
In jedem Fall sind eine gewisse Regelmäßigkeit der Psychotherapiestunden und nicht allzu große Abstände zwischen den Sitzungen günstige Bedingungen für den fortlaufenden psychotherapeutischen Prozess.

Die Psychotherapie wird bei jeder Klientin/bei jedem Klienten anders verlaufen. In der Regel zeigen sich erste Verbesserungen schon nach wenigen Stunden.
Wie erwähnt, ist der Prozess sicherlich in jeder Therapie einzigartig. Folgende Anhaltspunkte können der Orientierung dienen, welche Thematiken im Therapieprozess – der in verschiedenen Phasen verläuft -  möglicherweise bearbeitet werden.

  • Vertrauen fassen
  • zu schwierigen Themen vorstoßen
  • eigene Ressourcen neu entdecken
  • Aufbrechen und Verstehen von alten Konfliktmustern und das Bearbeiten von Problemen
  • sich neu erfahren und kennen lernen
  • Konflikte austragen lernen und durcharbeiten
  • neue Handlungs- und Erlebnismöglichkeiten entdecken.

 

Prozessmodell:

Therapie braucht ein Therapieprozessmodell, in dem es darum geht, welche Veränderungen forciert werden sollen, worauf ich als Therapeutin achte sowie welche Interventionen angezeigt sind. In meiner therapeutischen Arbeit  orientiere ich mich u.a. am Modell des therapeutischen Veränderungsprozesses nach Michael Schacht. Dieses wird hier kurz dargestellt.

Phase 1: Erwärmungsprozess
Phase 1: Erwärmungsprozess    Es geht um das Eröffnen von Wahlmöglichkeiten,  Entwicklung von alternativen Handlungsoptionen, zwischen alten perfekten Zielen und neuen Möglichkeiten eine Wahl treffen zu können. Die therapeutische Beziehung als stabile Basis ist Voraussetzung, damit Klienten einen Zyklus der Spontaneität-Kreativität durchlaufen können. Wichtig ist, die Entstehung der perfekten Ziele vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte des Klienten zu betrachten und als kreative Anpassungsleistung zu würdigen.
3 Schritte:
a) Erarbeiten einer ausreichend komplexen Problemdefinition
b) Suche nach Handlungsalternativen
c) Modifikation von Volitionsstärken (Volitionsstärke der perfekten Ziele verringern und die der alternativen Ziele zu stärken, damit letztgenannte wählbar werden)

Eröffnen von Wahlmöglichkeiten mittels Ressourcenaktivierung (stärkt das Selbstvertrauen und die subjektiv erlebte Realisierbarkeit neuer Handlungsmöglichkeiten).

Der Prozess der Wahlmöglichkeiten verlangt innere Akzeptanz, rein rationale Selbsterkenntnis ist zu wenig. Veränderungen treten in dieser Phase eher unbewusst, begleitet von Ambiguität und Spannungen auf.
Phase 2: Status nascendi Bei günstigem Verlauf der Erwärmung, d.h. wenn ein Mensch bewusst oder unbewusst eine Entscheidung trifft,  führt dies zu einer Spontaneitätslage, einem „status nascendi“, dies sind flüchtige Momente, weil eine dauerhafte Veränderung noch nicht erreicht ist.  Es geht hier darum, ob sich überhaupt Neues ereignet. Hier muss ein gewisses Wagnis, ein Schritt ins Neue getan werden. Das Therapieprinzip lautet hier: Bestätigung des Neuen. Status nascendi ist  gekennzeichnet von intensiven Spannungen Ungewissheit, Ambivalenz und Ambiguität. Therapeutische Unterstützung in Form von Ermutigung und Feedback ist notwendig, um  die vorher angesprochenen Gefühle aushalten zu können.
Auch wenn perfekte Annäherungsziele aufgegeben werden, führt dies in einen status nascendi, beispielsweise wenn die Hoffnung auf Erfüllung nach Zuwendung der Eltern aufgegeben wird, ist Veränderung möglich. Trauer und Schmerz sind dann erste Anzeichen der einsetzenden Veränderung.
Phase 3: Kreative Phase (aktionale Phase) Phase 3: Kreative Phase (aktionale Phase)    Stabilisierung der neuen Möglichkeiten des Erlebens und Handelns, Anwendung der neuen Handlungsstrukturen in weiten Bereichen. Psychodramatische Techniken wie Realitätsprobe und Rollentraining führen in Richtung neuer, erwünschter Verhaltensweisen. Ein neuer, liebevoller Umgang mit dem Selbst ist zu fördern. Bei pseudo-autonomer Beziehungsgestaltung bedeutet das, einen wohlwollenden Umgang mit dem Selbst, beispielsweise, wenn alte Leistungsideale nicht erreicht werden, sowie das Loslassen von Kontrolle.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veränderungsprozessmodell  nach Michael Schacht

(Vgl. SCHACHT,  Michael (2009): Das Ziel ist im Weg. Störungsverständnis und Therapieprozess im Psychodrama. VS Verlag, Wiesbaden.) S. 68f; 168ff; 207ff; 222ff; 230ff).